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#3 Starke Frau (?!)

„Ich darf Ihnen eine starke Frau ankündigen, Frau der Lage- Patricia Stenert!“

Der Moderator deutet mir mit einer offenen Armbewegung strahlend zu, daß die Bühne für die nächsten 20 Minuten mir gehört.

Das einzige woran ich denken kann ist: warum betont er, daß ich eine starke Frau bin? Ist das so ungewöhnlich auf dieser Bühne? Im Berufsleben? Im Alltag?

Was macht mich zu einer starken Frau in seinen Augen und warum fühle ich mich gerade so gar nicht stark, sondern betrete die Bühne mit zittrigen Knien und trockenem Mund?

STÄRKE ist eine Eigenschaft, die der männlichen Energie zugesprochen wird.

Lang habe ich geglaubt, ich müsse männliche Eigenschaften annehmen, um mit dem Kopf durch die gläserne Decke zu kommen.

Als ich mit 23 Jahren in ein reines Männerteam, geführt von einem Mannmann kam, legte ich mir zunächst graue Hosenanzüge an. Die äußere Uniform spiegelte sich auch bald in meiner Kommunikation und Körpersprache wieder. Ich erfüllte die Rolle so gut, daß ich mich dabei selbst verlor.

Der KAMPF um Gleichberechtigung, die WAFFEN einer Frau… Alles klingt so kriegerisch, so als dürfte es nur einen Gewinner oder eine Gewinnerin geben.

Ich stehe nicht auf dieser Bühne, in einem bewußt gewählten rosafarbenen Kleid, um eine Machtablösung zu forcieren. Ich wünsche mir keine FEMALE FUTURE. Ich wünsche mir eine EQUAL FUTURE.

Eine Zukunft, in der jeder Mensch authentisch sein darf und mit seinen persönlichen Stärken die Dinge vorantreibt.

# 2 Alles außer gewöhlich- über unsere Gewohnheiten

Bewußt wechselte ich nach der Mittagspause den Seminarraum, bei dem Workshop „ALLES AUSSER- GEWÖHLICH- AUF ERFOLGSGEWOHNHEITEN PROGRAMMIEREN“.

Der Raum war kleiner und im Gegensatz zum Vorraum quadratisch angelegt.

Nach und nach kehrten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gestärkt zurück und nahmen Ihre Plätze ein.

„Was fällt Ihnen auf?“ fragte ich, um die zweite Tagungshälfte einzuläuten. Die veränderungswilligen Frauen und Männer sahen sich um und einige begannen zu schmunzeln.

Auch wenn sich der Ort und die Bedingungen verändert hatten, alle Seminarteilnehmenden suchten sich einen ähnlichen Sitzplatz aus, wie im Raum zuvor. Alle hatten exakt die selbe Sitznachbarin/ den selben Sitznachbarn.

In jeder Lebenslage und selbst in neuen Situationen stricken wir uns einen Faden aus Ritualen, mit dem Ziel, Energie zu sparen.  Aus jedem neu gesponnen Faden entsteht nach und nach ein Seil.

Würde diese Gruppe also über Wochen oder gar nur wenigen Tagen täglich zusammenkommen, wäre die Sitzordnung unumstößlich, es gebe feste Pausenrituale, Aufgabenverteilungen und selbst das Lüften der Fenster würde automatisiert.

Die gesponnenen Fäden würden ein so stabiles Seil ergeben, dass jede Veränderung dieses Systems ein riesiger Kraftaufwand wäre.

Reagierten die Anwesenden bewußt? Planten Sie bereits in der Pause, dass sie sich dem Vormittag identisch gruppierten?

NEIN! Ihrem Sitznachbarn treu zu bleiben fühlte sich angenehm vertraut an. Einen vergleichbaren Abstand zu mir als Seminarleiterin beizubehalten gab ihnen Sicherheit und den Blick Richtung Fenster oder Tür beizubehalten, schenkte ein bekanntes Bild.

Weit über 90% unserer Entscheidungen treffen wir unbewußt. Bei 20.000 Entscheidungen pro Tag erfolgen also mindestens 18.000 automatisch!

Alles beginnt mit dem 1. Schritt. Der Bewußtmachung.

  • Welche Rituale sparen Dir Energie und Denkkapazität ein? *
  • Wie förderlich sind diese Gewohnheiten?
  • Fühlen sich diese Automatismen richtig an?

#1 Was bedeutet es, dir selbst bewußt zu sein?

Mit dem Selbstbewusstsein verhält es sich wie mit dem Toilettenpapier oder Nutella. Ich merke erst wie wichtig es ist, wenn es fehlt.

Also wenn ich mir wieder Arbeit, Verträge oder WhatsApp aufgehalmst habe, obwohl ich mehr als genug Projekte, Abos und Handygepiepe im Alltag zu bewältigen habe.

Oder wenn ich vor meinem Kleiderschrank stehe und meine innere Stylistenstimme mir laut zuflüstert: „Das ist zu eng. Zu bunt. Zu groß. Zu grell. Zu kurz.  Ernsthaft, mit den Schenkeln?!“

Spätestens in Teammeetings, wo ich diesen tollen Einfall habe, den aber nicht vortrage, weil allein der Gedanke gleich alle Blicke auf mich zu ziehen mir hektische Flecken aufs Dekolleté zaubern. …Dann bin ich mir einig, ich mir meiner Stärke nicht bewusst.

Selbstbewusstsein =

  • mir meiner selbst bewusst sein.
  • meine Stärken genauso gut zu kennen, wie meine Schwächen
  • mich (an)- erkennen
  • meine Bedürfnisse wahrzunehmen
  • Vertrauen in mich und das Leben zu haben
  • neuen Menschen zunächst gute Absichten zu unterstellen
  • mein Leben bewusst zu gestalten
  • für mich zu sorgen
  • mich für eigene Anliegen einzusetzen
  • mich abzugrenzen, wenn es nötig wird
  • Möglichkeiten zu erkennen
  • Neugierig sein und mich auszuprobieren
  • Mich gerne zu verändern, zu lernen, zu erneuern
  • mich zu trauen, zu meinen Gefühlen zu stehen
  • Echt, authentisch zu sein

Ab jetzt also weniger Akten, Abos und WhatsApp- Gruppen im Aussen, dafür mehr Aufmerksamkeit und Bemutterung nach Innen.